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STERN

22.03.2006 
Vom Sein und Nichtsein des Oswald Metzger
Aus Biberach an der Riss berichtet Florian Güßgen über den Erststimmen-Wahlkampf in Baden-Württemberg

Beschreibung:
Er ist frei schaffender Politiker, Provokateur und stilisiert sich zum schwarz-grünen Pionier. In Baden-Württemberg kämpft Oswald Metzger für ein Comeback - mit kräftigen Seitenhieben gegen die eigene Partei.

Wer ist dieser Mann eigentlich, mit seiner dunkelblonden Tolle, mit seiner schwarzen Dolce & Gabbana-Brille, mit dieser unruhigen Körpersprache, die einem dauernd das Gefühl gibt, ein Gedanke, ein Kommentar suche sich den Weg aus ihm heraus, wie bei einem Streber, der die Hand in der Luft reckt, lange bevor der Lehrer die Frage auch nur formuliert hat. Ist dieser "Talking Head" der Berliner Szene nur ein eitler Politik-Clown, dem jedes Mittel für ein Comeback recht ist? Oder ist er einer, der die Wahrheit ohne Furcht vor Freund und Feind formuliert? Ist er, nach dem Ende von Rot-Grün, so etwas wie ein schwarz-grüner Vordenker, der ungeliebte, schwäbische Prophet einer längst fälligen, strategischen Kehrtwende der Grünen?
(...) Der 51-Jährige macht es seinen Zuhörern nicht leicht, bei seinen Auftritten zwischen Show und politischer Substanz zu unterscheiden. Zur Show gehört, dass "der Oswald" in aggressiv-leidenschaftlichem Schwäbisch erst einmal alles kurz und klein haut, bevor er vollmundig eine Neuorientierung fordert. Bei den Grünen haben sie sich an seine Ausfälle schon gewöhnt, sie sprechen, oft verkrampft schmunzelnd, von einem "typischen Metzger", wenn der Oswald mal wieder vom Leder zieht. Verkrampft ist das Lächeln, weil Metzgers Show die Substanz selten fehlt. Als er noch in Berlin schaffte, war er einer der wenigen, die sich mit dem unseligen Finanzkram en detail auskannten. Und wenn er heute, von seinem Heimatort Bad Schussenried aus, über Strategie, Programm und Personal der Grünen lästert, so klingt das schnell nach Beleidigung und Parteischädigung, aber die Argumente sind auch nicht leicht zu überhören.
"Eine Frage von Sein oder Nichtsein"
Metzger kennt vielleicht nicht den Königsweg, aber eindeutige, oft populistisch servierte Antworten. "Die Öffnung hin zur Union ist eine Frage von Sein oder Nichtsein", sagt er, während er im Biberacher Restaurant "Eberbacher Hof" an einem Steak säbelt. "Für die Grünen ist das eine historische Chance. Wenn wir die Öffnung nicht schaffen, werden wir austrocknen. Wir werden sang- und klanglos von der Bühne verschwinden." Deshalb fordert er eine liberale Wende der Partei, ein klares Bekenntnis zu weniger Staat, auch in der Wirtschaftspolitik. Wie der neoliberale Flügel der Union will er die Arbeitskosten entlasten, Beamte abschaffen oder deren Versorgung kürzen, den Missbrauch von Sozialleistungen bekämpfen und die Sozialversicherungssysteme über Steuern finanzieren.

Metzger braucht 10.000 Stimmen, um in den Landtag in Stuttgart einzuziehen. Seine Chancen sieht er selbst bei 60 zu 40. Gerade hat ihm wieder einer gesagt: "Ich wähle Sie" (...)

Den vollständigen Beitrag finden Sie hier:
http://www.stern.de/politik/deutschland/...

Quelle:
www.stern.de