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BADISCHE ZEITUNG

16.12.2003 
Interview mit Oswald Metzger:
"Man müsste noch viel weiter gehen!"

Beschreibung:
Oswald Metzger (48), Ex-Bundestagsabgeordneter der Grünen und Finanzfachmann, gilt als Radikalreformer. Stefan Hupka sprach mit ihm über die Reformen und seine Zukunftspläne.
Metzger betont die Bedeutung, die in der Verständigung der Verhandler als solche liege, denn keine Verständigung wäre "der größte anzunehmende Unfall" gewesen. Und manches an den Kompromissen gefalle ihm auch, beispielweise die vorsichtige Lockerung des Kündigungsschutzes. Erfreut äußert sich Metzger über die erneute Einsicht, dass eine kreditfinanzierte Steuersenkung nicht zu einer konjunkturellen Belebung führen würde. Der nächtliche Kompromiss bleibe allerdings unter konjunkturpolitischen Aspekten ein Nullsummenspiel. "Der Bund wird wohl nachsteuern und Einnahmen erschließen, die er für die Länder nicht braucht".
Metzger kritisiert dabei die Halbherzigkeit beim Subventionsabbau. Entfernungspauschale und Eigenheimzulage seien verschont worden.
"Da hat sich die Union durchgesetzt, die sonst beim Subventionsabbau immer die dicke Lippe riskiert." Was die Reformen am Arbeitsmarkt betrifft, erklärt Metzger, so gehe ihm Hartz deshalb nicht weit genug, weil er gerne sähe, dass betriebliche Bündnisse weiter gestärkt würden und ein "Hineinregieren" der Gewerkschaften in die Betriebe begrenzt sein müsse. Die Verhinderung von Vereinbarungen zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat, beispielweise zum zeitweiligen Verzicht auf Weihnachtsgeld, bewirke aus seiner Erfahrung nicht selten, dass am Ende die Leute entlassen würden. Diese "absurde Stupidität der Gewerkschaftszentralen lässt sich nur mit Öffnungsklauseln beseitigen", so Metzer. Ja, er würde auch die Arbeitszeiten verlängern, antwortet Metzger, da wir es uns nicht leisten können, immer kürzer zu arbeiten. Spätestens in sieben Jahren schlage das demografische Problem gnadenlos zu, und spätestens dann wird, wie nach einer durchzechten Nacht, die Ernüchterung kommen. "Wenn wir uns darauf nicht vorbereiten, droht diesem Land eine soziale Destabilisierung mit allen Radikalisierungen, die man sich denken kann".

Wie denn seine persönlichen Zukunftspläne aussähen, will Stefan Hupka von Metzger wissen - bald würde ja in Stuttgart ein neuer OB gewählt. Ob ihn das nicht reizen würde...Geehrt fühle er sich, sagt Metzger, dass er wiederholt auf den OB-Posten angesprochen worden sei. Aber sein Metier sei nunmal die Bundespolitik. Danach gefragt, wie es denn hier mit einem Comeback aussehe, antwortet Metzger: "Ja, ich werde 2006 wieder angreifen und um einen sicheren Listenplatz kämpfen - nätürlich bei den Grünen, wenn sie mich noch aushalten." Bereuen würde er seine Auszeit dennoch nicht, lacht Metzger, denn er habe gemerkt, dass er außerhalb der Politik auch sein Geld verdienen könne. Für ihn, den Freigeist, sei diese Erfahrung außerordentlich wichtig.

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Quelle:
Badische Zeitung vom 16.12.03